Mein Leben

1954 Borscht ist da! Nach jahrelanger Mühe hat die Neuköllner Altglas-Dynastie endlich einen Stammhalter. Was Borscht erst viele Jahre später erfährt: Er war das erste Retortenbaby.
US-Forscher hatten seinen Eltern viel Geld geboten, um sie dazu zu bewegen, an einer Versuchsreihe teilzunehmen. Aufgrund der gesellschaftlichen Akzeptanz wird der medizinische Durchbruch aber zunächst geheim gehalten. Die Geburt des ersten Retortenbabys wird daher offiziell erst mit dem Jahr 1978 datiert.

1961 Familie Borscht besucht Ost-Berlin. Urplötzlich teilt eine Mauer die Stadt. Borschts
Eltern können sich retten, zurück bleibt der eingemauerte Borscht. Borscht wird ein Jahr lang
in einem DDR-Kinderheim untergebracht. Dort lernt er die ganze Härte des Sozialismus kennen. Haferschleim, gemeinsames Auf-dem-Topfsitzen und kaltes Duschen zeichnen seinen tristen Alltag. Doch der Zwangsaufenthalt hat auch seine guten Seiten: von seinen Zimmergenossen lernt Borscht fließend russisch zu sprechen.

1962 Als bis dahin jüngster Flüchtling seilt sich Borscht mit einer selbstgehäkelten Strickleiter aus der Bernauer Straße ab. Borscht macht Schlagzeilen und tritt in diversen Fernsehshows auf, des weiteren benutzt ihn die damalige Bundesregierung für Propagandazwecke. Aber die Erfahrung mit der DDR hat ihre Spuren hinterlassen: Unterordnungs- und Eingliederungsprobleme machen langwierige Therapiestunden notwendig. Der Psychiater diagnostiziert dem 8-jährigen Borscht klaustrophobische Züge, sowie einen aufkeimenden Zynismus.
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